Aldous Huxley als Malthusianer

Moritz Nestor

Dieser Beitrag beruht auf verschiedenen Zitaten aus Filmen mit Originalszenen mit Aldous Huxley. [1]

Der englischer Schriftsteller Aldous Huxley (1894-1963) ist Autor des Kultromans «Schöne Neue Welt» («Brave New World», 1932). Von Aldous Huxleys Rede «The Ultimate Revolution» vom 20. März 1962 am Berkeley Language Center,[2] steht das Transskript als PDF im Netz.[3]

Zwischen 1958 und 1963, das genaue Datum liess sich nicht ermitteln, strahlt der Bayrische Rundfunk eine Fernsehproduktion des NDR mit Prof. Dr. Heinz Haber aus. Titel: «Aldous Huxley und sein Wiedersehen mit der ‚Wackeren neuen Welt’. Zum 50. Geburtstag von Aldous Huxley». «Wackere neue Welt» ist die Übersetzung von «Brave New World». Huxleys 50. Geburtstag wäre allerdings 1944 schon gewesen. Ein Mitschnitt dieses Filmes wird am 20. August 2014 unter dem Titel «Aldous Huxley zu Überbevölkerung und Totalitarismus» [1] auf You Tube ins Internet gestellt.

 

 

Darin sieht und hört man Aldous Huxley sagen:

  1. «Solange wir den Nationalismus akzeptieren, und solange wir ihn als Axiom für die Welt ansehen, solange der Nationalismus darauf besteht, dass Differenzen zwischen Gruppen durch kriegerische Mittel gelöst werden müssen, solange schweben wir in der äussersten Gefahr, unsere Freiheit zu verlieren und unsere demokratischen Institutionen völlig von totalitären Institutionen verdrängen zu lassen.» Die «Überbevölkerung», fährt er fort, sei eine, «und zwar die bei weitem stärkste», der «gewaltigen unpersönlichen Kräfte», «die die Menschen in Richtung totalitäre Kontrolle drängen».[4]
  2. Ich glaube, wir können heute schon ganz klar voraussehen, was passieren wird, wenn die Zahl der Menschen immer stärker auf die Vorratsquellen drücken wird. Die wirtschaftlichen Verhältnisse, vor allem in den Entwicklungsländern, werden immer prekärer werden. Die Erwartungen der Menschen in diesen auf einen besseren Lebensstandard werden bestimmt enttäuscht werden, weil es ihnen einfach unmöglich sein wird, ihren Bevölkerungszuwachs volkswirtschaftlich einzuholen.“[5]
  3. Die „Enttäuschung und die allgemeine prekäre ökonomische Situation werden meiner Meinung nach zu einer immer mehr wachsenden Zentralisierung der Macht und zu einer immer weiter steigenden totalitären Kontrolle der Gesellschaft führen. Soziale Probleme führen immer zu sozialen Unruhen, und soziale Unruhen enden schliesslich fast immer in irgendeiner Form von Diktatur. Ich denke, wir können sehen, dass eine sehr schnelle Bevölkerungszunahme am Ende unausweichlich zu einer totalitären Beherrschung der menschlichen Gesellschaft führen muss.“[6]
  4. «Es sieht so aus, als ob jeder Fortschritt der Technik eine Erweiterung der Organisation erfordern würde. In dem Mass, wie die Technik fortschreitet, wird auch die Organisation immer komplexer und gleichzeitig immer mehr zentralisiert. Das Resultat dieser Entwicklung ist zunächst einmal, dass die Kontrolle über die Menschen immer mehr und immer vollständiger in die Hände von Big Business du von Big Governement übergeht, das heisst, in die Hände der Grossindustrie und der Regierungsspitze. Und zweitens wird das Individuum immer mehr seiner unabhängigen Aktivität beraubt und wird immer mehr zu einem Rädchen in einer gewaltigen Maschine der Organisation. Diese beiden Prozesse führen natürlich zu einem Verlust persönlicher Freiheit und zu einer immer grösser werdenden totalitären Macht von oben.» [7]
  5. «Was kann man in der kurzen Zeit, die uns noch bleibt [wegen der «Bevölkerungsbombe»! MN] tun?» Auf dem Gebiet der Überorganisation könnten wir viel tun. „Ebenso auf dem Gebiet der revolutionären Entdeckungen, direkt auf die Seele des Menschen einzuwirken. Ich glaube, wenn Moralisten, Theologen, Politiker und Gesetzgeber zusammenkommen, um über diese Probleme zu diskutieren, kann man gesetzliche, politische und erzieherische Mittel finden, die garantieren, dass diese ganzen revolutionären Entdeckungen, die jetzt und in Zukunft gemacht werden, zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden und nicht zu ihrer Erniedrigung und endgültigen Versklavung. Das ist unsere beste Hoffnung

 

Diese Zitate werfen ein anderes Licht auf die Hauptaussage von Huxleys Roman «Schöne Neue Welt» («Brave New World») von 1932. Hier erklärt er: Die «Überbevölkerung» sei «die bei weitem stärkste» der «gewaltigen unpersönlichen Kräfte», «die die Menschen in Richtung totalitäre Kontrolle drängen». «eine sehr schnelle Bevölkerungszunahme [muss] am Ende unausweichlich zu einer totalitären Beherrschung der menschlichen Gesellschaft führen».

 

Damit wird die drohende totalitäre «Schöne Neue Welt» als eine Folge der Überbevölkerung hingestellt.

 


[1]      Film «Aldous Huxley zu Überbevölkerung und Totalitarismus» URL: https://www.youtube.com/watch?v=TpMYb9rUx30 (15. April 2016)
Vgl. auch: FGilm «Aldous Huxley: Slavery by consent. You’re being made to enjoy your servitude.»
URL: https://www.youtube.com/watch?v=9PbhkML007Q
Vgl auch: Film Aldous Huxley-Interview 1958: «Zwei Gefahren für die Freiheit: Bevölkerungsexplosion und Überorganisation.»
URL: https://www.youtube.com/watch?v=uECjm2ukycw
Siehe auch ein Interview (engl.): ‪URL: https://www.youtube.com/watch?v=wbOFy… und die Sammlung zu Aldous Huxley (in engl. Sprache): URL: ‪https://www.youtube.com/playlist?list…
[2]       The Ultimate Revolution. URL: https://antioligarch.wordpress.com/aldous-huxley-the-ultimate-revolution-mar-20-1962-berkeley/ (15.4.2016)
[3]      The Ultimate Revolution pdf. URL: https://antioligarch.files.wordpress.com/2013/04/aldous-huxley-the-ultimate-revolution-mar-20-1962-berkeley.pdf (15.4.2016)
[4]      Minute 6:59. «Aldous Huxley zu Überbevölkerung und Totalitarismus»
[5]      Minute 14:09. «Aldous Huxley zu Überbevölkerung und Totalitarismus»
[6]      Minute 14:09 bis 15:49. «Aldous Huxley zu Überbevölkerung und Totalitarismus»
[7]      bis Minute 20:45 «Aldous Huxley zu Überbevölkerung und Totalitarismus»

Autor

Moritz Nestor, Psychologe

Weiterempfehlen