Deutsche Kinderärzte, eine «aussterbende Spezies»?

21. Februar 2001 Moritz Nestor

Die Kinderärzte werden von der deutschen Gesundheitspolitik immer mehr in die Bedeutungslosigkeit abgedrängt und wegrationiert: Allgemeinmediziner sollen künftig anstelle der Kinderärzte die Betreuung der Kinder übernehmen. In Kinderkliniken werden drastisch Betten abgebaut, da durch die Einführung neuer Fallpauschalen (nach australischem Modell!) die zur Behandlung der Kinder zur Verfügung stehenden Mittel weiter sinken. Mit den Betten verschwinden aber auch Weiterbildungsstellen für Kinderärzte. Parallel dazu steckt die Bundesregierung mehr Geld in die Ausbildung konkurrierender (!) Allgemeinmediziner: Ein niedergelassener Kinderarzt erhält monatlich 4000.- DM staatliche Subventionen für einen Allgemeinmediziner als Weiterbildungsassistenten. Für die Weiterbildung von Jungmedizinern zum Kinderarzt dagegen fliesst keine Mark. Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland, Klaus Gritz, warnt vor dieser gefährlichen Entwicklung. „Ab 2003 halbiert sich die Zahl der neuen Fachärzte“, prognostiziert er. Schon heute herrscht in Deutschland vielerorts ein Mangel an Kinderärzten, wie Günter Mau, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, betont. Erik Harms, Sprecher des Hochschullehrerkonvents der Kinderärzte, weist darauf hin, dass die Kinderheilkunde während des Medizinstudiums heute schon viel zu kurz komme. Wirkliche Einsparungen sind gar nicht geplant: Experten schätzen nämlich, dass etwa 30% (!) der Kosten im Gesundheitswesen durch eine konsequente Krankheitsvorbeugung im Kinder- und Jugendalter gespart werden. Zudem spielen Kinderärzte im Gesamtbudget der Krankenkassen eine kleinere Rolle.

Quelle: Die Zeit vom 21.2.01

Wenn es also nicht das Sparen ist, welches Motiv ist es dann? Die EU- und Globalisierungs-Politik baut die gut ausgebildeten Fachärzte und die schon lange zu Unrecht verteufelte „High-Tech-Medizin“ zugunsten einer „Barfussmedizin“ ab, was letztendlich auf eine dirigistische Staatsmedizin mit gleich schlechter Behandlung für jedermann hinausläuft – euphemistisch als „Medizin für alle“ verbrämt. Für die Opfer „sorgt“ die Euthanasie.

Autor

Moritz Nestor, Psychologe

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