Frohriep Ulrich, Schumacher Hans J, Münch Armin, Maletzke Helmut
Rudolf Petershagen und die kampflose Übergabe der Stadt Greifswald: Zeitzeugen erinnern sich
Verlag der Nation 1981
Angelika Petershagen war die Frau des legendären Greifswalder Stadtkommandanten, der am 30. April 1945 mit der kampflosen Übergabe an die Sowjetarmee die Stadt vor der Zerstörung bewahrte und 1969 dort starb. Weniger bekannt ist die Rolle seiner Ehefrau Angelika, die danach bis zu ihrem Tode 1995 in der Stadt wohnen blieb. 1981 veröffentlichte sie im Verlag der Nation ihre Memoiren. Als beim Stadtkommandanten von Greifswald, Oberst Petershagen, im April 1945 der Entschluss reifte, die Stadt kampflos an die sowjetischen Truppen zu übergeben, war ihm bewusst, dass es dazu Verbündete brauchte – und die Zustimmung seiner eigenen Frau. Das Buch erzählt aus dem Leben von Angelika Petershagen und wie es zum Entschluss ihres Mannes kam. Greifswald gegen «Führerbefehl» kampflos zu übergeben.
In den ersten Jahren nach Kriegsbeginn 1939 gehörte Major Petershagen zum Stab der Ersatzdivision in Stettin. Als er nach Frankreich versetzt wurde, meldete seine Frau sich zum Rot-Kreuz-Dienst. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 war Major Petershagen in den Krieg einbezogen. In der Schlacht um Charkow erhielt er das Ritterkreuz, wurde Oberst und Kommandeur des Greifswalder Regiments, das im Herbst 1942 bis nach Stalingrad kam.
Während des Genesungsurlaubs nach einer Verwundung Ende September 1942 überraschte der hoch dekorierte Oberst seine Frau mit seiner in den jüngsten Monaten gewonnenen Überzeugung, dass die Einnahme von Stalingrad noch lange ausbleiben werde, ja, dass dieser Krieg gegen Russland überhaupt nicht zu gewinnen sei. Für Frau Angelika war diese Offenbarung im Hinblick auf ihre bisherige patriotische Einstellung geradezu ein Schock. Die Verwundung heilte schneller als erwartet. Ihr Mann wurde nach Stalingrad zurückgeflogen. Doch Ende November 1942 wurde Oberst Petershagen schwer verwundet und traf wenig später wieder in Greifswald ein. Er war nicht mehr frontdiensttauglich. Am 1. Januar 1945 wurde er Stadtkommandant von Greifswald. In den folgenden Wochen und Monaten reifte in ihm der Entschluss, die Stadt kampflos an die sowjetischen Truppen zu übergeben, was am 30. April 1945 erfolgte. (lesen Sie den vollständigen Text